BFSG für Onlineshops: So machst du deinen Shopify-Shop barrierefrei (Pflichten, Ausnahmen, Checkliste)
Barrierefreiheit ist seit Juni 2025 Pflicht für Onlineshops. Wer betroffen ist, was das BFSG konkret fordert und wie du deinen Shopify-Shop mit 10 Schritten konform machst – ohne Panik, mit Plan.

TL;DR – das Wichtigste in 20 Sekunden
- Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit dem 28. Juni 2025 – auch für Onlineshops. Es setzt den European Accessibility Act der EU in deutsches Recht um.
- Betroffen: praktisch jeder B2C-Shop. Ausgenommen: Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden UND max. 2 Mio. € Jahresumsatz.
- Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 100.000 €, im Extremfall die Untersagung des Verkaufs – kontrolliert von der Marktüberwachungsstelle der Länder.
- Die gute Nachricht: Mit einem sauberen Theme und der 10-Punkte-Checkliste unten ist ein Shopify-Shop schneller konform, als du denkst.
Erinnerst du dich an den Trubel um den Widerrufsbutton? Das war die kleine Welle. Die größere rollt gerade langsam an – und die meisten Händler haben sie noch nicht auf dem Radar: Barrierefreiheit ist seit Juni 2025 gesetzliche Pflicht für Onlineshops. Nicht als Empfehlung, nicht als Nice-to-have, sondern als Gesetz mit Behörde, Bußgeldkatalog und Kontrollmechanismus.
In diesem Guide bekommst du das Thema ohne Panik und ohne Juristendeutsch: wer wirklich betroffen ist (Spoiler: es gibt eine Ausnahme, die viele kleine Shops rettet – vorerst), was konkret gefordert wird und wie du deinen Shopify-Shop Schritt für Schritt konform machst.
Was ist das BFSG – und warum betrifft es Onlineshops?
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist die deutsche Umsetzung des European Accessibility Act (EU-Richtlinie 2019/882). Seit dem 28. Juni 2025 müssen bestimmte Produkte und Dienstleistungen barrierefrei sein – und „Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr“ stehen ausdrücklich auf der Liste. Übersetzt: Dein Onlineshop ist eine solche Dienstleistung. Es geht dabei nicht nur um Menschen mit Sehbehinderung. Barrierefreiheit umfasst motorische Einschränkungen (Tastatur statt Maus), Hörbeeinträchtigungen (Untertitel), kognitive Einschränkungen (verständliche Sprache, klare Fehlermeldungen) – und ganz nebenbei jeden Kunden, der bei Sonnenlicht aufs Handy schaut oder mit einer Hand das Baby hält. Allein in Deutschland leben mehrere Millionen Menschen mit Behinderungen – das ist keine Randgruppe, das ist Kaufkraft.
Technische Grundlage ist die europäische Norm EN 301 549, die im Web-Bereich auf die WCAG 2.1, Stufe AA verweist – den internationalen Standard für barrierefreie Websites. Die vier Grundprinzipien: Inhalte müssen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein.
Gilt das BFSG für deinen Shop?
| Deine Situation | BFSG-Pflicht? | Einordnung |
|---|---|---|
| B2C-Shop, 10+ Mitarbeitende oder über 2 Mio. € Umsatz | Ja | Volle Pflicht seit 28.06.2025 – inklusive Erklärung zur Barrierefreiheit. |
| B2C-Shop, unter 10 Mitarbeitende und max. 2 Mio. € Jahresumsatz | Ausgenommen | Die Kleinstunternehmer-Ausnahme greift bei Dienstleistungen – dazu zählt der Webshop. |
| Reiner B2B-Shop | Nein | Das BFSG schützt Verbraucher. Achtung bei Mischshops: Sobald Verbraucher kaufen können, gilt B2C-Logik. |
| Kleinstunternehmen mit Wachstumskurs | Noch nicht – aber bald | Wer eine der Schwellen reißt, fällt ins Gesetz. Dann unter Zeitdruck umbauen? Teuer. |
Ehrliche Einordnung zur Ausnahme: Ja, viele kleine Shopify-Händler sind formal (noch) raus. Trotzdem würde ich das Thema nicht wegschieben – aus drei Gründen. Erstens: Die Schwellen prüft niemand für dich; wächst du über 2 Mio. € oder stellst die zehnte Person ein, bist du drin. Zweitens: Ob Wettbewerber Verstöße abmahnen können, ist juristisch umstritten – verlassen würde ich mich darauf nicht. Drittens: Barrierefreiheit ist schlicht bessere UX – größere Klickflächen, klarere Formulare und bessere Kontraste erhöhen die Conversion bei allen Kunden.
Was konkret gefordert wird
Die Anforderungen klingen abstrakt, werden aber schnell greifbar:
- Wahrnehmbar: Bilder brauchen Alternativtexte, Texte ausreichenden Kontrast zum Hintergrund (mindestens 4,5:1), Videos Untertitel. Information darf nie nur über Farbe transportiert werden („das rote Feld korrigieren“ reicht nicht).
- Bedienbar: Der komplette Shop – vom Menü bis zum Kauf-Button – muss ohne Maus, nur per Tastatur, nutzbar sein. Sichtbarer Fokus-Rahmen inklusive.
- Verständlich: Formulare brauchen beschriftete Felder und Fehlermeldungen, die sagen, was falsch ist und wie man es behebt. Klare Sprache statt Fachchinesisch.
- Robust: Sauberer Code, korrekte Überschriften-Hierarchie (H1 → H2 → H3), damit Screenreader die Seite vorlesen können.
- Erklärung zur Barrierefreiheit: Betroffene Shops müssen zusätzlich eine öffentliche Erklärung bereitstellen, wie die Anforderungen erfüllt werden – ähnlich der Datenschutzerklärung eine eigene Info-Seite.
Die 10-Punkte-Checkliste für deinen Shopify-Shop
- Theme-Basis prüfen: Die offiziellen Shopify-Themes bringen solide Barrierefreiheits-Grundlagen mit (semantisches HTML, Fokus-Zustände). Ein altes oder stark verbasteltes Theme ist oft das größte Risiko. Welches Theme zu dir passt, zeigt dir mein kostenloser Theme-Finder.
- Alt-Texte pflegen: Jedes Produktbild bekommt eine Beschreibung, die das Bild ersetzt („Grüner Wollpullover mit Rundhalsausschnitt“ statt „IMG_2384“). In Shopify direkt am Medium editierbar.
- Kontraste messen: Markenfarben auf Weiß sehen oft gut aus und fallen trotzdem durch. Kontrast-Checker nutzen, Ziel 4,5:1 für Fließtext – gerade bei hellen Akzentfarben auf Buttons.
- Tastatur-Test machen: Leg die Maus weg und kaufe testweise nur mit Tab, Enter und Pfeiltasten ein – vom Produkt bis zur Kasse. Wo du hängen bleibst, bleibt auch dein Kunde hängen.
- Formulare aufräumen: Sichtbare Labels statt nur Platzhaltertext, klare Fehlermeldungen am Feld. Betrifft Kontaktformulare, Newsletter-Anmeldung und individuelle Checkout-Felder.
- Überschriften-Hierarchie: Eine H1 pro Seite, dann logisch H2/H3 – keine Überschrift wählen, „weil sie hübscher aussieht“. Screenreader navigieren darüber.
- Zoom-Test: Seite auf 200 % zoomen – Inhalte müssen lesbar und bedienbar bleiben, ohne dass sich Elemente überlagern.
- Videos mit Untertiteln: Produktvideos und Tutorials brauchen Untertitel – die meisten Plattformen generieren sie inzwischen automatisch, kontrollieren musst du sie trotzdem.
- Apps und Pop-ups prüfen: Der häufigste blinde Fleck! Cookie-Banner, Newsletter-Pop-ups und Bewertungs-Widgets von Drittanbietern sind oft nicht per Tastatur schließbar oder überdecken Inhalte. Jede App einzeln testen – was du zur DSGVO-Seite der Banner wissen musst, steht im Beitrag DSGVO im Shopify-Shop.
- Erklärung zur Barrierefreiheit anlegen: Als eigene Shopify-Page, verlinkt im Footer neben Impressum und Datenschutz – mit Beschreibung der Maßnahmen und einer Kontaktmöglichkeit für Barriere-Meldungen.
Wichtig zur Abgrenzung: Den Shopify-Checkout selbst pflegt Shopify – dort profitierst du von der Plattform. Deine Verantwortung sind Theme, Inhalte, Bilder, Apps und alles, was du individuell angepasst hast. Genau da entstehen in der Praxis die Verstöße.
Wer kontrolliert – und was droht?
Zuständig ist die zentrale Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen (MLBF). Sie kann Nachweise anfordern, Maßnahmen anordnen und bei anhaltenden Verstößen die Dienstleistung untersagen – sprich: den Verkauf stoppen. Der Bußgeldrahmen reicht je nach Verstoß bis zu 100.000 €. Und: Verbraucher und anerkannte Verbände können Verstöße aktiv bei der Behörde melden – es braucht also keinen Zufallsfund. Realistisch betrachtet wird die Behörde nicht am ersten Tag jeden kleinen Shop prüfen. Aber die Kombination aus Meldemöglichkeit, wachsender Aufmerksamkeit und ungeklärter Abmahnlage macht Abwarten zur schlechtesten Strategie – zumal die meisten Maßnahmen einmalig sind und deinen Shop messbar besser machen.
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Gilt das BFSG für meinen Shopify-Shop?
Wenn du an Verbraucher verkaufst (B2C): grundsätzlich ja, seit dem 28. Juni 2025. Ausgenommen bist du nur als Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden und maximal 2 Mio. € Jahresumsatz. Reine B2B-Shops sind nicht betroffen.
Welche Strafen drohen bei Verstößen?
Die Marktüberwachungsbehörde kann Bußgelder bis zu 100.000 € verhängen und im Extremfall den Weiterverkauf untersagen. Verbraucher und Verbände können Verstöße aktiv melden. Ob zusätzlich wettbewerbsrechtliche Abmahnungen möglich sind, ist juristisch noch umstritten.
Reicht ein barrierefreies Theme aus?
Nein. Ein gutes Theme ist die halbe Miete – aber Alt-Texte, Kontraste deiner Markenfarben, Formulare, Videos und vor allem Dritt-Apps wie Cookie-Banner und Pop-ups liegen in deiner Verantwortung und sind die häufigsten Fehlerquellen.
Was ist die Erklärung zur Barrierefreiheit?
Eine öffentliche Info-Seite (vergleichbar mit der Datenschutzerklärung), in der du beschreibst, wie dein Shop die Barrierefreiheits-Anforderungen erfüllt – inklusive Kontaktmöglichkeit, über die Nutzer Barrieren melden können. Für betroffene Shops ist sie Pflicht.
Ich bin als Kleinstunternehmen ausgenommen – kann ich das Thema ignorieren?
Können ja, sollten nein. Sobald du eine der Schwellen überschreitest, gilt die Pflicht – und ein nachträglicher Umbau unter Zeitdruck ist teurer als schrittweise Verbesserungen jetzt. Dazu kommt: Barrierefreie Shops konvertieren nachweislich besser, weil sie für alle Kunden einfacher bedienbar sind.
Hinweis: Dieser Beitrag erklärt die technische Umsetzung aus Shopify-Sicht und ersetzt keine Rechtsberatung. Für die juristische Bewertung deines Einzelfalls sprich mit einer auf IT-Recht spezialisierten Kanzlei.
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Autor: Dominik-Lukas Moral Falke – Shopify Freelancer & Shopify Plus Partner aus Berlin. Über 115 umgesetzte Shopify-Projekte im DACH-Raum.
Zuletzt aktualisiert: 4. Juli 2026
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